Eine der besten Geschichten zum Thema weibliche Schönheit war der Text eines amerikanischen Schriftstellers, an dessen Namen ich mich leider nicht mehr erinnern kann. Er erzählte die Geschichte eines balinesischen Mannes, seines Freundes, der auf Brautschau war. In Bali war es zu der beschriebenen Zeit üblich, für eine künftige Braut einen Brautpreis zu bezahlen, üblich waren wohl zwischen zwei und fünf Ziegen, je nach Wert – in diesem Fall Schönheit – der Braut. Unser Autor ist überrascht als er erfährt, dass sein Freund nicht nur den horrenden Preis von fünfzehn Ziegen gezahlt, sondern diesen für das unscheinbarste Mädchen des Dorfes ausgegeben hat. Für ein Mädchen, das sich nicht einmal die Hoffnung machen durfte, dass für sie auch nur eine einzige Ziege aufgebracht werden würde. Er befragt seinen Freund dahingehend, doch dieser lächelt nur und lädt ihn in das Haus seiner zukünftigen Braut ein. Als das Mädchen den Gästen die Getränke bringt, staunt unser Autor: sie hat eine solche Ausstrahlung an Stolz, Freude und Sicherheit gewonnen, dass von sie innen leuchtet, und ihm nun als das schönste Mädchen der Insel erscheint, dass den Brautpreis nicht nur rechtfertigt, sondern billig wirken lässt.
Zwei Lehren ziehe ich aus der Geschichte. Erstens die offensichtliche, nämlich das Schönheit eine Frage der Ausstrahlung ist. Zweitens: Schönheit ist auch eine Frage der Wertschätzung. Die Schönheit, die uns umgibt, ist eine Frage des Hinsehens, des Wahrnehmens und der bewussten Auseinandersetzung. Und das gilt nicht nur für die Schönheit der Menschen, mit denen wir leben.
Ich denke, dass eine Beziehung zwischen zwei Menschen sehr vielschichtig ist, und aus mehr besteht oder bestehen sollte, als die Befriedigung von Bedürfnissen. Clarissa Estes, eine von mir ebenfalls hochgeschätzte Autorin und Psychoanalytikerin, hat es so formuliert: „Wenn zwei Liebende auf forcierten Frohsinn bestehen, einem permanenten Disneyland der Liebe, wenn sie auf sexuellem Feuerwerk bestehen oder ewiger Eintracht, ohne jede Zwiespältigkeit und Mühe, dann wird die Leben/Tod/Leben-Natur (die zyklische Wesenheit aller Erscheinungen) ein ums andere Mal vom Felsvorsprung in die Tiefe gestoßen“ laut Estes finden sich Paare, die alles Traurige, alles Negative und Unintensive in ihrer Beziehung ablehnen, eines Tages in einer versteinerten Beziehung wieder. Und dieses Verhalten führt zum Todesstoß für die Liebe. Langeweile, Streit und Unbefriedigung gehören zu einer Beziehung, genau wie Freude, Eintracht und Zufriedenheit. Wer das nicht einsieht, und geht, wenn es anfängt schwierig zu werden, wird sein Leben damit vergeuden, etwas zu suchen, was es nicht gibt. Und damit die Chance auf eine wirklich tiefe Beziehung und Glück versäumen.
| January 2012 | ||||||||||
| M | T | W | T | F | S | S | ||||
| 1 | ||||||||||
| 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | ||||
| 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | ||||
| 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | ||||
| 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | ||||
| 30 | 31 | |||||||||
|
||||||||||